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Heimkino-Einrichtung
Letzte Änderung 2008-04-08. Copyright © 2001-2008 Hans-Georg Michna.
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IE Technologie hat jetzt einen Stand erreicht, auf dem ein Heimkino möglich und halbwegs erschwinglich geworden ist. Nachdem in mir erst vor kurzer Zeit ein erneutes Interesse an guten Kinofilmen erwacht ist, habe ich mir daher eines eingerichtet und möchte kurz über einige Einzelheiten berichten, die vielleicht für andere interessant sind, die auch über dieses Thema nachdenken.
Die beiden Hauptprobleme für mich waren der Preis und die Bildgröße des Projektors, gefolgt von Helligkeit und Kühlgebläse-Geräusch. Es gibt eine Reihe geeigneter Projektoren zu erträglichen Preisen mit der Auflösung 800 × 600 Pixel. Nach Probeschauen und ein wenig Rechnen zeigt sich aber, dass diese Auflösung nicht ausreicht. Der Grund hierfür sind die anamorphen Breitwand-DVDs (Digital Video Disk oder neuerdings Digital Versatile Disk).
Aus Gründen der Bildqualität ist die bevorzugte Signalquelle ein DVD-Spieler oder, besser, ein Computer, weil die Qualität hier wesentlich besser ist als das Ausgangssignal eines herkömmlichen Fernsehapparates. Obwohl die Auflösung dieselbe ist, ist doch die Qualität einer digitalen DVD-Aufzeichnung sichtlich erheblich besser. VHS-Videorecorder sind wegen ihrer sehr viel niedrigeren Auflösung grundsätzlich ungeeignet.
Im Zusammenhang mit dem DVD-Spieler gibt es aber außer dem weiter unten erläuterten schlechteren Scaling durch den Projektor noch mindestens einen weiteren Haken—eine gute Bild- und Farbqualität lässt sich nicht über den Composite Video Eingang erzielen, weil Composite Video die Farbe sehr sparsam codiert und auch sonst nicht immer besonders scharf ist. Für gute Bildqualität muss man einen RGB-Eingang (Rot, Grün, Blau) benutzen. Das bedeutet, dass man einen DVD-Spieler mit einem RGB-Ausgang braucht.
Die Auflösung ist, wenn der Fernsehstandard PAL zugrundegelegt wird, 720 × 576 Pixel (720 × 480 für den amerikanischen NTSC-Standard). Dies entspricht in etwa dem klassischen Seitenverhältnis von 4 : 3. Bei Breitwandfilmen verwendet man zwei verschiedene Verfahren der DVD-Kodierung, Letterbox und anamorph. Letterbox bedeutet, dass schlicht und einfach oben und unten je ein schwarzer Streifen ist und diese Pixel nicht genutzt werden. Damit verringert sich die Gesamtauflösung bei einem Seitenverhältnis von 16 : 9 (1,78) auf nur noch 720 × 324 Pixel. Noch extremer wird es beim Seitenverhältnis von 2,35 (Panavision). Eine detailliertere Gegenüberstellung von PAL und NTSC findet sich hier.
Die SVGA-Auflösung von 800 × 600 Pixeln ist unbefriedigend
Diese Darstellungen lassen sich verlustlos auf einem 800 × 600 Projektor darstellen. Die Projektoren rechnen die Auflösung zwar um, allerdings durchaus nicht immer optimal (siehe unten). Auch ist es etwas problematisch, eine Auflösung in eine andere zu verwandeln, die sehr in der Nähe liegt, und das ist hier der Fall. Allein daher kann man 800 × 600 nicht als ideal bezeichnen.
Hinzu kommt noch, dass das Upscaling, also die Umrechnung von 720 × 576 auf 1024 × 768, die Qualität sehr erheblich verbessert, wenn es gut gemacht wird. Computersoftware wie WinDVD macht das ganz ausgezeichnet, und die in guten Videoprojektoren eingebauten Scaling-Chips leisten immer noch passable Arbeit, versagen aber teilweise bei sich rasch bewegenden Bildern. Das Verfahren begradigt schräge Linien und Kanten und erzeugt dadurch ein Bild, das besser aussieht und scheinbar mehr Information enthält als das niedriger aufgelöste Original. Dieser verblüffende Effekt macht SVGA-Projektoren mit 800 × 600 Pixeln sehr deutlich weniger geeignet.
Ein weiteres Problem lauert aber in der bereits erwähnten anamorphen Kodierung. Hier werden Breitwandfilme in der vollen DVD-Auflösung von 720 × 576 Pixeln aufgezeichnet. Um das breite Format abzudecken, sind die Pixel nicht mehr quadratisch und in horizontal und vertikal gleichabständig, sondern vertikal gestaucht. Mit anderen Worten, der vertikale Abstand zwischen zwei Pixeln ist kleiner als der horizontale.
Das Verfahren erzeugt ein Bild, das besser aussieht als das Original
Ideal wäre es, wenn man das so verzerrte Bild durch eine anamorphe Linse projizieren könnte, die das Bild auf optischem Wege wieder entzerrt. So wird es auch in der Tat gemacht, aber nur bei Hochleistungs-Projektoren zu unerschwinglichen Preisen. Bei der normalen Videoprojektion werden einfach nur die Pixel umgerechnet, entweder im DVD-Spieler oder Computer oder im Projektor.
Das bedeutet aber, dass für die Projektion eines anamorph aufgezeichneten Breitwandfilms vertikal nicht alle Pixel des Projektors genutzt werden können. Die folgende Tabelle zeigt die Zahl der nutzbaren Pixelzeilen bei den beiden Breitwandformaten. (Die Tabelle und der nachfolgende Absatz wurde 2002-11-21 nach einem Hinweis von Stephan Ziegler berichtigt. Vielen Dank!)
| Auflösung/Pixel | 16 : 9 (1,78) | 2,35 |
|---|---|---|
| SVGA, 800 × 600 | 450 | 340 |
| XGA, 1024 × 768 | 576 | 435 |
Wie man sieht, kann man die in einer anamorph kodierten DVD tatsächlich vorhandenen Informationen, also die 576 Pixelzeilen, nur mit einem Projektor mit mindestens 1024 × 768 Pixeln (XGA) vollständig projizieren. Ein Projektor mit 800 × 600 hat jedoch fast 100 Pixelzeilen zu wenig.
Meine Schlussfolgerung war, und das hat sich in vergleichenden Tests mit umschaltbarer Projektion auch klar gezeigt, dass die SVGA-Auflösung von 800 × 600 Pixeln aus mehreren Gründen unbefriedigend ist und nicht ausreicht. Insbesondere schräge, fast waagerechte Linien erscheinen hier mit so groben Stufen, dass der Kinogenuss ernsthaft gestört wird. Damit war meine Auswahl an Projektoren eingeschränkt, insbesondere, weil XGA-Projektoren in der Regel erheblich teurer sind.
Anmerkung 2008: Inzwischen hat sich die Situation insofern stark verändert, als heute eine Vielzahl von Projektoren mit höhrerer Auflösung bei gleichzeitig hohem Kontrast, guter Helligkeit, geringem Kühlgeräusch und vor allem zu einem erträglichem Preis verfügbar ist. Die interessante Auflösung im Hinblick auf HDTV und Blu-ray-DVDs ist 1080p (1.920 × 1080 progressive, also nicht interlaced).
Als ein noch größeres Problem stellte sich aber die Bildgröße heraus. Fast alle Projektoren, die oft für Datenprojektion designed wurden, werfen unter den Beschränkungen meines Wohnzimmers ein viel zu kleines Bild. Ich brauchte also einen Weitwinkelprojektor, und das ist eine ausgesprochene Seltenheit. Bei den typischen Heimvideo-Projektoren mit 800 × 600 Auflösung gibt es einige, aber bei der höheren XGA-Auflösung mit 1024 × 768 Pixeln gab es nur sehr wenige, und die sind dann auch noch sehr teuer. Im Jahre 2002 wurde die Auswahl allmählich größer. Neue Projektoren von NEC und Liesegang bieten inzwischen mehr Auswahl an Zoom-Faktoren.
Ein Weitwinkelprojektor ist eine ausgesprochene Seltenheit
Zum Herausfinden, welche Projektoren sich für einen bestimmten Raum am besten eignen, fand ich die Find Projectors Funktion auf www.projectorcentral.com sehr geeignet. Dort kann man den Abstand und die Bildbreite eingeben und bekommt dann die Projektoren angezeigt, die das können.
Schließlich braucht man noch eine ausreichende Helligkeit und einen erträglichen Geräuschpegel des Kühlgebläses. Die Helligkeit wird meist in ANSI-Lumen gemessen. Ein ausreichender Wert ist 1.000. Bei vollständig verdunkeltem Raum kommt man zur Not vielleicht noch mit 800 aus, aber die billigen Projektoren mit einer Helligkeit von nur 600 ANSI-Lumen sind für eine Großbild-Projektion absolut nicht ausreichend. Beim Geräuschpegel, gemessen in dB, liegen die guten Werte zwischen 30 und 40. Zu beachten ist leider auch, dass die Angaben der Hersteller fast immer zu ihren Gunsten verzerrt sind. Man sollte versuchen, objektive und vergleichbare Testergebnisse zu finden, bevor man sich entscheidet.
Aber das Glück kam mir zu Hilfe. Einer der größten Hersteller solcher Projektoren, die amerikanische Firma InFocus, brachte einen neuen XGA-Projektor heraus, den LP 290 (mittlerweile längst schon wieder überholt), der meine Anforderungen genau erfüllte und auch in der Helligkeit mit 1.100 ANSI-Lumen und im Geräusch mit 34 dB sehr gut innerhalb meiner Vorstellungen liegt. Ein Zoom-Objektiv mit einem Stellverhältnis von 1 : 1,3 ermöglicht auch Einsätze, wo kein extremer Weitwinkel benötigt wird.
Ich bestellte diesen Projektor blind—hatte ja sowieso keine Wahl—und erhielt ihn aus dem Versandhandel von www.computeruniverse.net zum immer noch sehr stolzen Preis von etwas über €4.000 (incl. MwSt). Er war im September 2002 bei den günstigsten Einkaufsquellen schon für ca. €2.600 (incl. MwSt) erhältlich. Der Projektortyp hat sich, abgesehen von einem Konstruktionsfehler, bis jetzt bewährt. Das Kühlgebläse stellte sich nicht nur als leise heraus, sondern auch als klanglich gut erträglich, ein leises, eher dumpfes Rauschen ohne störende Einzelton-Komponenten.
Allerdings gab es nach ca. 500 Betriebsstunden wiederholt Fehler, die auf Überhitzung hindeuteten und die sich durch Zerlegen und Reinigen durch Blasen und Saugen mit dem Staubsauger vorübergehend beheben ließen.
Schließlich wurden sie aber immer schlimmer, und ich konnte beobachten, dass die beiden Gebläse sich zeitweise ausschalteten, was die Überhitzung erklärte. Die Lampe war inzwischen auch schon vorzeitig durchgebrannt, und ich musste den Projektor schließlich einschicken, wobei ich erfuhr, dass die versprochene Laufzeit der Lampe etwas ganz anderes ist als die garantierte Laufzeit—die letztere ist viel niedriger.
Die versprochene Laufzeit der Lampe ist etwas ganz anderes als die garantierte Laufzeit
Neugierig hatte ich die Hauptteile des Projektors gekennzeichnet und konnte so feststellen dass das gesamte Innenleben des Projektors ausgetauscht worden war und nur noch das Gehäuse das alte geblieben war. Seitdem läuft der Projektor einwandfrei, und die Gebläse regeln ihre Drehzahl je nach Temperatur. Sie laufen im stark geheizten Zimmer deutlich schneller, als wenn es etwas kühler ist.
Durch Zufall sah ich bei einem Freund denselben Projektortyp und musste feststellen, dass dieser genau denselben Fehler hatte, der nur wegen der kürzeren Benutzungszeiten für den Einsatz als Datenprojektor dort noch nicht zur Katastrophe geführt hatte. Ich kann nur vermuten, dass es sich um einen Konstruktionsfehler handelt, den alle diese Geräte bis zu einer bestimmten Seriennummer haben und danach nicht mehr.
Des Rätsels Lösung waren schlechte Lüfter-Steckkontakte. Ich konnte den Fehler schließlich dadurch dauerhaft beheben, dass ich die Lüfterstecker absichtlich verkantet auf die Steckkontakte steckte, so dass sie ständig unter einer gewissen Biegespannung stehen. Seit dieser "Reparatur" funktioniert der Projektor ohne diesen Fehler.
Als einzigen Design-Schwachpunkt könnte man den Kontrastumfang ansehen, der mit 1 : 400 gegenüber einigen Geräten abfällt, die damals aber auch deutlich teurer waren. Mittlerweile weiß ich, dass ich die Bedeutung des Kontrastes erheblich unterschätzt hatte, aber damals hatte ich sowieso keine Wahl. Die Geräte mit hohem Kontrast (über 1 : 1.000) waren noch zu teuer.
Ein anderer gut geeigneter Videoprojektor—etwas teurer, etwas heller (und mit Economy-Schalter) und auch nicht lauter ist der NEC VT 650. Dieser Projektor ist allerdings nicht ganz so weitwinklig und ist daher für kleine Wohnzimmer mit großen Leinwänden möglicherweise nicht geeignet, da muss man nachmessen und nachrechnen. Während der InFocus LP 290 für eine 2,50 m breite 4 : 3 Leinwand einen Abstand von 3,6 bis 4,8 m (Zoom-Bereich) erlaubt, braucht der NEC VT 650 für diese Leinwandgröße ca. 5 m bei nicht so großer Zoom-Variation. Es gibt aber ständig neue Projektoren mit immer besseren Parametern, z.B. den NEC HT1000.
Ein hoher Kontrast ist viel wichtiger, als ich erst dachte
Ich hatte am 20.3.2003 ein Gespräch mit einem Fachmann, der die mir plausibel erscheinde Behauptung aufstellte, dass das Problem der schlechten Erkennbarkeit dunkler Bildteile nicht eine Folge zu geringer Helligkeit, sondern zu geringen Kontrastes ist. Das leuchtet mir ein, denn wenn die schwarzen und fast schwarzen Bildstellen, die sich im Original sozusagen um 100% in der Helligkeit unterscheiden, sich bei Projektion mit niedrigem Kontrast nur noch um 10% unterscheiden (schwarz wird dunkelgrau, fast schwarz wird auch dunkelgrau), dann sind sie für das Auge schwer zu differenzieren. Mancher Zuschauer, der in den dunklen Bildteilen keine Details mehr erkennen kann, beklagt sich dann vielleicht irrtümlicherweise darüber, dass das Bild zu dunkel wäre. Ein hoher Kontrast ist viel wichtiger, als ich erst dachte.
Helfen könnte eventuell ein etwas höherer Gamma-Wert, wenn der Player oder der Projektor über eine solche Einstellung verfügt. Ich konnte das bisher noch nicht praktisch nachprüfen, aber einige neuere, bessere Projektoren verfügen über sehr hohe Kontrastwerte von 1 : 1.300 bis über 1 : 2.000.
Es gibt allerdings eine weitere Begrenzung des Kontrastes, die sehr von der Gestaltung des Raumes abhängt. Das Problem besteht darin, dass Licht von der Leinwand in den Raum zurückreflektiert wird, was ja auch der ganze Sinn der Leinwand ist. Allerdings wird dieses Licht leider nicht nur in die Augen der Zuschauer reflektiert, sondern auch an alle anderen Stellen im Raum. Von dort wird es erneut reflektiert, und ein Teil dieser Sekundärreflexion erreicht wiederum die Leinwand und sorgt dafür, dass echtes Schwarz unmöglich ist. Schwarze Tapete würde dieses Problem ziemlich gut lösen, aber wer hat schon gerne ein schwarz tapeziertes Wohnzimmer?
Dieses Phänomen sorgt dafür, dass Projektoren mit sehr hohen Kontrastwerten, z.B. 1 : 4.000, sinnlos sind, weil man einen so hohen Kontrast allein wegen des Streulichts in einem normalen Zimmer sowieso nicht erreichen kann.
Eine interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang ist, dass die Kinos ein fundamentales Problem haben—die gesetzlich vorgeschriebene Notbeleuchtung, die auch während des Films brennen muss. Diese verringert den Kontrast dramatisch, auf katastrophal niedrige Werte, und dies ist auch der entscheidende Grund für die hohe Helligkeit der Kinoprojektion.
Die Kinos haben ein fundamentales Problem—die Notbeleuchtung
Dieser Effekt wird besonders auffällig, wenn das gesamte Bild dunkel ist. Dunkle Bildpartien in sonst hellen Bildern sind immer schlecht zu erkennen, weil die hellen Bildteile selbst Streulicht erzeugen, durch Reflektion an Decke und Wänden und durch optische Schwächen des Projektorobjektives und des menschlichen Auges und seiner Hilfsmittel wie Brillen oder Kontaktlinsen. Aber gerade bei insgesamt dunklen Bildern kommt es darauf an, Details noch erkennen zu können, und hier hilft der hohe Kontrast eines guten Projektors und das Fehlen der Notbeleuchtung im Heimkino.
Hier haben wir im Heimkino einen entscheidenden Vorteil—wir können den Raum vollkommen verdunkeln, ohne dass uns der Gesetzgeber aufs Dach steigt. Damit können wir, wenn der Projektor einen entsprechend hohen Kontrast liefert (deutlich besser als 1 : 1.000), eine Darstellung der dunklen Bildpartien erreichen, von der die meisten Kinos nur träumen können. Übrigens habe ich gerüchtweise gehört, dass es in Deutschland mindestens ein Kino geben soll, das für sich eine Sondergenehmigung erwirkt hat, die Notbeleuchtung auf eine geringere Helligkeit reduzieren zu dürfen als die normalerweise gesetzlich vorgeschriebene.
Noch ein letzter Tipp für die, deren Projektionsraum nicht verdunkelt werden kann. Ich würde mir trotzdem ein Heimkino einrichten und es einfach im Hochsommer nicht benutzen. Es sind nur einige Monate, in denen es so lange hell bleibt, dass ein Kinofilm die Schlafzeit zu sehr beschneidet. Noch im April und schon im August kann man Filme, die nicht allzu lang sind, wieder anschauen, und von September bis März ist die Verdunklung kein Problem mehr. Wenn man schon während der Dämmerung anfängt und eine kurze Beeinträchtigung in Kauf nimmt, dann ist das meistens gut zu machen.
Ein Hintergedanke dabei ist auch, dass es im Hochsommer Besseres zu tun gibt als im Heimkino zu sitzen. Wenn man rund ums Jahr regelmäßig im Heimkino sitzt, dann wird man kinomüde, so dass eine Sommerpause vielleicht sowieso wünschenswert ist.
Am besten richtet man sich in dieser Situation sein erstes Heimkino im Herbst ein, so dass man genügend dunkle Zeit vor sich hat, um den Reiz des Neuen voll auszukosten, bevor die erste Sommerpause kommt.
Glauben Sie nicht, das Problem durch einen lichtstärkeren Projektor beheben zu können. Das ist wegen des hohen Kontrastumfangs von Fotos und Filmen vollkommen unmöglich. Selbst wenn so helle Projektoren gebaut werden könnten und bezahlbar wären, würden die Zuschauer wegen der enormen Helligkeit erblinden. Bedenken Sie, dass nicht alle Szenen taghell sind, der Zuschauer aber auch in einer Nachtaufnahme noch etwas erkennen soll, was bei einfallendem Tageslicht bedeuten würde, dass der Film sehr viel heller gezeigt werden müsste als in Wirklichkeit. Vergessen Sie es, es ist nicht möglich.
Bei der Leinwand stellte sich zunächst die Frage, ob eine gezielt reflektierende Perl- oder Silberleinwand wegen ihres helleren Bildes zu bevorzugen sei. Nach eingehender Analyse kam ich zu dem gut begründeten Schluss, dass das nicht geht, weil die Sitzpositionen in meinem Wohnzimmer ganz verschiedene Blickwinkel ergeben, so dass jede gezielt reflektierende Leinwand dazu führen würde, dass Betrachter, die an der Seite sitzen, nichts mehr oder nur das halbe Bild sehen. Auch der kurze Projektionsabstand vergrößert dieses Problem erheblich. Daher entschied ich mich für eine mattweiße Leinwand, die auch erheblich billiger ist.
Bei den Leinwand-Mechanismen gibt es Leinwände mit Elektroantrieb, mit Kurbelantrieb und solche, die einfach heruntergezogen werden wie ein Fensterrollo. Die meisten Leinwände in meiner Wunschgröße von 2,50 m Breite und 6 m² Fläche kosteten an oder um die €1.000, bis ich auf eine Rollo-Leinwand stieß, die nur ca. €350 kostete. Diese kaufte ich aus finanziellen Erwägungen, und sie hat sich ebenfalls bis jetzt gut bewährt. Ein Problem ist, dass die Leinwand nur eine relativ kleine Zahl von Raststellen hat, eine je Umdrehung, aber damit kann ich leben. Im Problemfall könnte man die Leinwand unten noch befestigen.
Wohl dem, der eine freie weiße Wand hat
Bei der Wahl der Leinwand kann man berücksichtigen, dass das Bildformat nicht quadratisch, sondern rechteckig ist. Die Leinwand kann also rechteckig sein, mit dem Seitenverhältnis 4 : 3. Bei mir geht das jedoch nicht, weil ich auch Dias darauf projiziere, und die können auch im Hochformat auftreten. Daher muss meine Leinwand doch quadratisch sein. Wenn ich einen Film vorführe, brauche ich demzufolge die Leinwand nicht von der Decke bis auf den Fußboden herunterzuziehen. Bei einem Breitwandfilm genügt, es schon, sie nur etwa halb herunterzulassen, wenn das Zimmer so weit verdunkelt ist, dass der unten nicht verdeckte Zimmer-Hintergrund nicht stört.
Wohl dem, der eine freie weiße Wand hat, denn eine solche eignet sich, wenn die Rauhfasertapete nicht gar zu rauh ist, ganz hervorragend als Projektionsfläche, kostet gar nichts und muss weder eingebaut noch bedient werden.
Wohl dem auch, der einen Computer hat, denn er braucht sich keinen DVD-Spieler zu kaufen. Jeder moderne Computer kann DVDs abspielen, mit Hilfe eines geeigneten Programms wie WinDVD oder PowerDVD. Dazu hat man noch den Vorteil, dass es bei einem Computer meist einfacher ist, die widerwärtigen Regionalcodes zu umgehen, die sich ein Irrer ausgedacht haben muss. DVDs sind meist für eine bestimmte Region codiert (1 = Nordamerika, 2 = Europa, usw.). Will man eine DVD aus einer anderen Region abspielen, dann muss man den Regionalcode umschalten, und das geht nur 5-mal und dann nie wieder.
Die Regionalcodes muss sich ein Irrer ausgedacht haben
Der eigentliche Hintergrund für die Regionalcodes ist das Ausschalten des Wettbewerbs auf dem DVD-Markt. Ohne diese Codes könnten z.B. Hersteller in Asien deutschsprachige DVDs herstellen und verkaufen und dadurch die Preise von den derzeitigen irrwitzigen Monopolpreisen auf ein normales Niveau herunterbringen. Dies fürchtet die Film- und DVD-Industrie und hat daher diese technische Basis für die regionalen Kartelle entwickelt.
Wenn man für seinen Computer aber ein DVD-Laufwerk gewählt hat, bei dem sich die Regionscodierung entfernen lässt, dann kann man sich dieses Problems entledigen und DVDs aus beliebigen Regionen beliebig oft abspielen, was für mich ein nicht ganz unwesentlicher Punkt ist. Mehr Informationen gibt es hier: http://www.google.com/search?q=DVD+Region+RPC2+OR+RPC-2
Die einfachste Methode ist heutzutage das Progamm DVD Region+CSS Free (früher DVD Region-Free), erhältlich von http://www.dvdidle.com/.
Was den Ton anbelangt, so ist heutzutage ein 5.1-Surround-Sound üblich (5 Richtungslautsprecher—vorne links, Mitte, rechts, hinten links und rechts und dann noch ein Subwoofer) oder auch 7.1 (zusätzlich zwei Seiten-Lautsprecher).
Ich benutze seit etlichen Jahren einen Laptop-Computer als Signalquelle fürs Heimkino, was sich im Großen und Ganzen sehr bewährt.
Einer der problematischsten Aspekte, deutlich problematischer als das Bild, ist der Ton. Der Hauptgrund hierfür ist etwas, das sich LFE-Crossover nennt.
Die meisten Laptops haben nur einen Stereo-Ausgang, meist von einem Substandard-Soundmodul, von dem kein annehmbarer Heimkino-Klang zu erwarten ist.
Ich hatte erst einen externen (USB) Terratec Aureon Sound-Adapter. Der hat die Probleme so richtig vorgeführt und wird nun nicht mehr benutzt.
Kino-Sound hat typischerweise 5 oder 7 Surround-Kanäle und einen sogenannten LFE-Kanal (Low Frequency Effects). Der Kino-Standard ist, dass auf diesem Kanal laute Bass-Effekte übertragen werden können, und zwar laut einigen Standards (Dolby, THX) bis 80 Hz.
Der erste Haken an der Sache ist, dass die Frequenzen ab 80 Hz von den typischen Heimkino-Satellitenlautsprechern nicht übertragen werden können, weil sie zu klein sind, sondern je nach Größe erst ab ca. 140 Hz. Daraus ergibt sich eine Bass-Lücke von 80 bis 140 Hz.
Es kommt aber noch schlimmer. Es ist keineswegs sicher, dass (a) alle tiefen Bässe im LFE-Kanal übertragen werden, und (b), dass dieser auf 80 Hz beschränkt ist. Hier macht anscheinend jeder Studio-Tontechniker, was er will. Gar nicht selten befindet sich der Begleitmusik-Bass gar nicht im LFE-Kanal, sondern z.B. im linken und rechten Front-Kanal, oft auch im Mitten-Kanal.
Aus diesen verschiedensten Gründen braucht man irgendwo, meist im Sound-Adapter, eine Funktion namens LFE-Crossover. Sie dient dazu, die Bässe unterhalb der Grenzfrequenz der Satellitenlautsprecher aus allen Satellitenkanälen zu entfernen, sie alle mit dem LFE-Kanal zu mischen und dem Basslautsprecher zuzuführen.
Nur wenige Sound-Adapter für Laptops machen das richtig. Das Terratec-Aureon-Modul, mit dem ich mich lange herumgequält hatte, nahm den Bass nur aus dem Mittenkanal und hatte auch keine einstellbare LFE-Crossover-Frequenz. Mit anderen Worten, es ist eigentlich unbrauchbar.
Derzeit benutze ich einen Creative Labs Sound Blaster Audigy 2 ZS Notebook Adapter (PC-Card, PCMCIA), und der bringt's. Er hat nicht nur ein einstellbares LFE-Crossover, sondern auch THX-Zertifikation, dts-Dekodierung, usw. Creative stellt auch ähnliche Adapter für neuere Notebooks her, die den mittlerweile veralteten PC-Card-Anschluss nicht mehr haben.
Und dieser Sound-Adapter klingt auch außerhalb des Bass-Spektrums besser. Die Qualität hängt anscheinend nicht ganz unerheblich von den Digital-analog-Wandlern ab.
Ein Punkt, den ich vorher für unwichtig hielt, dann aber doch rasch realisieren musste, ist die Deckenmontage des Projektors. Bei den ersten Kino-Vorführungen mit einer größeren Zahl von Zuschauern stellte sich schnell heraus, dass der Lichtkegel des Weitwinkel-Projektors etliche mögliche Sitzplätze durchleuchtet und damit unbenutzbar macht, insbesondere, weil fast alle modernen Projektoren schräg nach oben (oder bei Deckenmontage schräg nach unten) projizieren, ohne eine Trapezverzeichnung zu erzeugen, was abgesehen von der Sitzplatzvernichtung eine sehr angenehme Eigenschaft ist. Daher habe ich nach wenigen Tagen den Baumarkt aufgesucht und eine Wandmontage gebastelt, die sich sofort gut bewährt hat. (Bei mir ist eine echte Deckenmontage schwierig zu realisieren und auch nicht notwendig.) Man muss dabei darauf achten, dass der Projektor winkelverstellbar bleiben muss. Insbesondere ist es bei Breitwandfilmen sehr vorteilhaft, den Projektor so weit nach oben schwenken zu können, dass das Breitwandbild ganz oben auf der Leinwand steht, so dass mehrere Zuschauerreihen, in meinem kleinen Wohnzimmer bis zu drei, es gut sehen können.
Der Projektor muss sehr genau auf die Mitte der Leinwand ausgerichtet werden
Achtung: Der Projektor muss sehr genau auf die Mitte der Leinwand ausgerichtet werden. Jede Abweichung wirkt sich in etwa demselben Maß auf die Abmessungen des projizierten Bildes aus. Schon ein Zentimeter seitlicher Versatz verzerrt das Bild entsprechend. Die vertikale Ausrichtung ist weniger kritisch. Im Zweifelsfalle ist es besser, wenn der Projektor ein paar Zentimeter zu tief sitzt als zu hoch, weil die Verzeichnung dadurch kompensiert wird, dass die Augen der Zuschauer auch unterhalb der Bildmitte sitzen. Gegen Abweichungen der Bildform von der seitlichen Symmetrie ist das menschliche Auge weitaus empfindlicher.
Bei der Deckenmontage muss man planen, auch die Signalquelle in Reichweite des Projektors aufzustellen, denn die Bildsignal-Kabellänge ist begrenzt. Wegen der hohen Frequenzen darf ein VGA-Kabel nicht zu lang sein, sonst wird das Bild unscharf und bildet Schatteneffekte neben vertikalen Strukturen. Daher muss der Computer oder der DVD-Spieler in der Nähe des Projektors angebracht werden. Experimente mit einem 5 m-Kabel hoher Qualität ergaben allerdings eine sehr gute Bildqualität (keine Echos, die sich als Säume rechts neben vertikalen Kanten zeigen würden).
Schließlich muss man sich Gedanken über die Belüftung machen. Bei einer Großbildprojektion muss man das Zimmer sehr weitgehend verdunkeln. Andererseits braucht man für ein dutzend Gäste eine ganze Menge möglichst mückenlose Atemluft und insbesondere Wärmeabfuhr. Ein Mensch gibt an die 100 W Wärme ab, so dass es eine Gruppe Menschen leicht mit einem Heizlüfter aufnehmen kann, und der Projektor bläst auch noch seine 200 W und mehr dazu.
Auf jeden Fall braucht man irgendwo Mückengitter an den Fenstern
Insbesondere im Sommer mit seinen langen, hellen Abenden entsteht das Problem, dass man einerseits kein Licht, andererseits aber jede Menge Frischluft braucht. Fast die einzige Lösung ist, die Belüftung durch Türen und andere Räume zu gewährleisten, aber auch darüber sollte man sich Gedanken machen, bevor man sich in teure Investitionen stürzt. Auf jeden Fall braucht man spätestens für ein Heimkino irgendwo Mückengitter an den Fenstern, was sowieso eine gute Idee ist.
Immerhin ist die Wärmeabfuhr und Lichtvermeidung im Winter einfacher, wenn man sich nur noch Gedanken über kalte Füße machen muss. Ich drehe vor dem Eintreffen einer größeren Zahl von Gästen die Heizung herunter, in Erwartung des Wärmestaus.
Ich nehme an, dass die Heimkino-Idee in den nächsten Jahren stark um sich greifen wird. Viele meiner Gäste verlassen mein Wohnzimmer mit der Frage im Gesicht: „Wie kann ich das bei mir auch realisieren?“ Daher würde ich erwarten, dass die Verkaufszahlen für Projektoren in den nächsten Jahren erheblich ansteigen und dass daher bessere und billigere Projektoren auf den Markt kommen.
Das sind meine praktischen Überlegungen und Erfahrungen zum Thema Heimkino. Ich hoffe, denjenigen Denkanstöße gegeben zu haben, die wie ich ein Heimkino als eine sehr angenehme Bereicherung empfinden.
Hans-Georg Michna
www.heimkino.net hat diverse Informationen und einen Online-Shop für Projektoren und Zubehör.
www.projectorcentral.com hat eine große Datenbank mit technischen Daten der meisten Projektoren und einem Bildgrößen-Abstands-Rechner.
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